König Artus
< Romreise
25.10.2017 16:21 Alter: 295 days

König Artus

Theaterbesuch im Next Liberty Graz


„Warum kämpft ihr gegeneinander?“ – „Weil Krieg ist.“ – „Aber, wofür kämpft ihr?“ – „Für, ähm … na für den Krieg!“

Ein Land ohne König, in dem Krieg herrscht. Ein Mädchen, dessen Eltern getötet wurden. Ein Junge, der vor seinen Eltern davongelaufen ist. Und ein Zauberer mit einem Plan.
Mit Hilfe dieser hollywoodreifen Elemente ist es Georg Schütky in einer modernen Interpretation der Sage rund um König Artus gelungen, eine ausgeglichene Balance zwischen kindgerechter Familienunterhaltung und tiefgründigen Fragen zu schaffen.

Das Stück spielt in England, der König ist gestorben und hat keinen Thronfolger hinterlassen. Während man sich darum streitet, wer der neue König werden soll, während ein erbitterter Krieg herrscht und jeder gegen jeden kämpft, wird ein Stein gefunden, in dem ein Schwert steckt. „Wer immer dies Schwert aus diesem Stein ziehet, der ist rechtmäßiger König über ganz England und wird Frieden bringen.“, so die Gravur auf dessen Griff. Gleichzeitig wird das Findelkind Artus von seinem Stiefbruder Kaye schikaniert, sein Ziehvater Hector heißt dies gut, will doch sein leiblicher Sohn Ritter werden und Autorität über andere haben. Als Artus die schier nie enden wollenden innerfamiliären Ungerechtigkeiten nicht mehr ertragen kann, beschließt er, Reißaus zu nehmen und Ritter zu werden. Aber nicht irgendein Ritter, sondern ein „gerechter Ritter“, ein Held.

Auf seiner Reise trifft er auf das Waisenmädchen Guinevere, das wegen der Ermordung ihrer gesamten Familie Rache an dem bösen Mordred geschworen hat. Von Mordlust getrieben fristet sie im Wald ihr Dasein, immer auf der Suche nach dem Mörder. Artus schafft es aber, sie von ihrem Weg abzubringen, und die beiden treffen auf den Zauberer Merlin. Sei es die Wichtigkeit von Zusammenarbeit oder die Sinnlosigkeit des Mordens – Merlin lehrt die beiden wichtige Lebensweisheiten, indem er sie in verschiedene Tiere verwandelt.

Derweil spricht sich das Gerücht um das Schwert im Stein bis zu der Zauberin Morgane herum, die sich als Gegenspielerin des guten Zauberers Merlin herausstellt und die ihren Sohn Mordred auf Englands Thron regieren sehen will. Doch nur ein Auserwählter kann das magische Schwert aus dem Stein ziehen und Morgane begreift schnell, dass es sich dabei nur um den jungen Artus handeln kann. Natürlich gibt es nach einem gewaltigen Kampf zwischen Merlin und Morgane, geprägt von Zauberkünsten jeglicher Vorstellungskraft, ein Happy End – Artus besiegt Morgane, wird König über England und gründet eine Liga von Rittern, die sich dazu berufen fühlen, gegen das Böse zu kämpfen – die Ritter der Tafelrunde.

„König Artus“ ist ein Stück, das allen Altersgruppen etwas zu bieten hat. Neben lustigen, schusseligen Protagonisten, farbenfrohen und ausgelassen bunten Szenen gibt es auch ernstere, düstere Stellen, die, vor allem dem älteren Publikum vor Augen führen, dass es, gerade jetzt, in schweren Zeiten, nicht ein magisches Schwert braucht, um Frieden zu stiften, sondern vor allem eine Stimme der Vernunft, die einem Mut zuspricht, auch dann, wenn man selbst nicht an sich glaubt.

Mir hat das Stück aber besonders deshalb so gut gefallen, da es oberflächlich „nur“ eine altbackene Geschichte um ein Zauberschwert behandelt, unter dieser Fassade aber auch brandaktuelle Themen, wie etwa Krieg, einbindet, die dazu anregen, sich wirklich Gedanken zu machen. Gedanken um die Sinnhaftigkeit von Kriegen. Gedanken um die zerstörerische Kraft von blindem Zorn. Gedanken darüber, ob es nicht einen Weg gibt, an einem Strang zu ziehen, friedlich zu leben und sich gemeinsam dem Kampf gegen das Böse zu stellen.

Dominik Kronabitter, 8A